18.03.2010

Vielen Minderheitensprachen droht der Untergang

Sprachensterben ist Verlust für die gesamte Menschheit

Foto: Eva Lutter


Der drohende Untergang der Sprachen von Minderheiten und Ureinwohnergemeinschaften ist Thema der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) auf der Leipziger Buchmesse. Die internationale Menschenrechtsorganisation präsentiert dort einen 111-seitigen Report über das weltweite Sprachensterben mit vielen Beispielen aus allen Kontinenten. An ihrem Stand bietet sie allen Interessierten auch Hörbeispiele bedrohter Sprachen an. Mit dem Podiumsgespräch "Wenn die Sprache lebt, lebt die Kultur", zu dem eine Itelmenin von der russischen Halbinsel Kamtschatka und ein Experte für indische Minderheiten erwartet werden, wird die GfbV auf dringend notwendige Initiativen zur Rettung bedrohter Sprachen hinweisen.

 

Statistisch gesehen stirbt alle zwei Wochen eine der weltweit noch 7.000 Sprachen, berichtet die GfbV in ihrem neuen Menschenrechtsreport. Besonders gefährdet sind Sprachen der Ureinwohner, so genannter indigener Völker. "Wenn eine Sprache stirbt, ist das ein schlechtes Zeichen für die Situation ihrer Sprecher. Oft leiden sie unter Menschenrechtsverletzungen, werden diskriminiert, von ihrem Land verdrängt oder bedroht."

 

Mit ihrer Sprache verlieren die Betroffenen das wichtigste Abbild ihrer Kultur. So verschwinden ihre Bezeichnungen für Pflanzen, Tiere, Orte, Gefühle, religiöse Werte genauso wie ihre meist mündlich überlieferten Geschichten und die Verbindung zu ihrer Herkunft, warnt die GfbV. Deshalb führt der Verlust einer Sprache gleichzeitig zum Verlust der Identität und bedeutet nicht selten ein kollektives Trauma, das über Generationen fortwirkt. Aber auch die gesamte Menschheit ist betroffen. Denn mit dem Aussterben einer Sprache gehen unwiederbringlich Beispiele für menschliches Denken, Ideen und Ausdrucksmöglichkeiten verloren.

 

Um eine Sprache am Leben zu erhalten, ist nicht nur entscheidend, dass die jeweilige Gemeinschaft sie zu bewahren sucht. Die "kleinen Sprachen" müssen auch juristisch und im Alltag gleichberechtigt sein, ihre Bildungseinrichtungen und Medien müssen finanziell gefördert werden. Die Gewährung von regionaler Selbstverwaltung für Regionen mit Minderheitensprachen trägt außerdem entscheidend zur Bewahrung von "kleinen Sprachen" bei.

 

Achtung Redaktionen: Der GfbV-Messestand ist in Halle 2, Standnummer K102 zu finden. Das Podiumsgespräch "Wenn die Sprache lebt, lebt die Kultur" - Sprachensterben - Bedrohung für Minderheiten weltweit", am Sonntag, den 21.03.2010, findet von 16:00 – 17:00 Uhr im Forum Kleine Sprachen, Halle 4, Stand D401 statt.

 

Für Nachfragen stehen Tilman Zülch (politik@gfbv.de), Sarah Reinke (berlin@gfbv.de) und Yvonne Bangert (indigene@gfbv.de) zur Verfügung.

 

Download des Reports

 

Zusätzlich bietet die GfbV für Lehrende Lernmaterial zum Thema bedrohte Sprachen anbieten. Damit sollen sich Schülerinnen und Schüler sollen sich angeregt durch Beispiele aus dem Report der GfbV mit grundlegenden Fragen zum Themenkreis der bedrohten Sprachen auseinandersetzen: Weshalb sind Sprachen bedroht? Warum lohnt es sich, Sprachen zu erhalten, die nur noch von 50 oder weniger Personen gesprochen werden?

Das kostenlose Lehrmaterial können Sie hier runterladen:

 

Download des Schulmaterials für Lehrende - mit Beispielen aus dem Report

 

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